Kapellen



Die Kapelle St. Joder
Auf dem alten Weg von Hergiswil auf den Menzberg steht auf 945 m ü. M. die Kapelle St. Joder noch auf dem Boden der Gemeinde Hergiswil. Vom Volk wird sie „Tioderchäppeli” genannt. Die kleine Kultstätte ist dem heiligen Bischof Theodor oder Theodul geweiht.
Die ursprüngliche Kapelle, mit einer Ausstattung aus dem 18. Jahrhundert, ist 1987 abgebrochen worden. Der Neubau wurde 1990 errichtet. Architektur und Gestaltung waren ein Zusammenspiel zwischen dem Technikum in Horw, dem Planer Alfred Leupi aus Villmergen, dem Architekten Hubert Aregger aus Wolhusen und Pfarrer Leo Senn als Bauleiter.
In einer beispielhaften Aktion traten an einem Samstag im Monat Mai 1990 in aller Frühe nicht weniger als elf gelernte Maurer an, um mit dem Pfarrer, der in seiner Jugend das Maurerhandwerk auch erlernt hatte, in Fronarbeit Hand an­zulegen. Zahlreiche Pfarreiangehörige unterstützten als Hilfskräfte die Fachleute.
Die Bilder und Glasfenster im Innern schuf der Benediktinerpater Karl Stadler aus Engelberg. In einem grossen Fresko ist die Legende des heiligen Theodul im Kampf mit dem Teufel dargestellt. Von Stadler stammen auch die Glasfenster mit den Heiligen Verena, Ottilia (diese beiden waren schon in der Vorgängerkapelle dargestellt) und Hubertus. Eindrücklich ist das Kreuz mit einem Korpus aus dem 16. Jahrhundert.
Auf zwei Bronzetafeln vor der Kapelle, geschaffen von Bildhauer Robert Rösli, ist einerseits die Gründungslegende aufgeschrieben, andrerseits die Geschichte des Kapellenneubaus.
Bei der Pfarreigründung von Menzberg war es nicht sicher, ob die schon vorher bestehende Kapelle, die über einen Fonds verfügte, der neuen Pfarrei zugeteilt werden sollte. Dem Entscheid des Bischofs von 1813 fügte man sich.
Der Hinterländer Namenforscher Dr. h. c. Josef Zihlmann erklärt in seinem Buch „Namenlandschaft im Quellgebiet der Wigger” (Hitzkirch 1984, S. 212) die Namensgebung so: „Die Leute in den Napftälern sagen, sie gehen ‚is Tioder ue’. Tioder ist eigentlich die mittelhochdeutsche Form von Theodor. Dass aber die Dinge hier sprachlich etwas anders liegen, beweist die Namensform St. Joder, bzw. Joder. Der Anlaut T bei Tioder ist nicht als Anlaut von Theodor zu verstehen, sondern als Endlaut von Sankt. Nur so ist die Entstehung des Namens Joder erklärbar.“
St. Joder war bis zum 19. Jahrhundert eine Einsiedelei. Der letzte Eremit war Bruder Michael Achermann, der als Modelleur bekannt war. Seine Heiligenstatuen waren bei Kirchenbauten im 19. Jahrhundert sehr gefragt: zum Beispiel in Hergiswil, Dagmersellen, Rain und in Menzberg (Evangelisten an der Kanzel). Das Eremitenhäuschen wurde um die Mitte des 20. Jahrhunderts abgebrochen; es entstand an der Stelle 1957 ein Schulhaus der Gemeinde Hergiswil. Die Schule wurde inzwischen aufgegeben, das Haus ist heute in Privatbesitz.
Im Türmchen ertönen zwei Glocken: Eine überlebte den Felssturz von Goldau vom 2. September 1806, bei dem 457 Menschen das Leben verloren. Aus den Trümmern einer Kapelle der Vierzehn Nothelfer am Lauerzersee geborgen, ist diese Glocke auf Umwegen durch den Eremiten Michael Achermann nach St. Joder gelangt. Die Partnerglocke ist von treuen Besuchern von Menzberg 1990 geschenkt worden. Sie trägt den Spruch: „Vor Ungewitter, Feuer – Sturm, / erhebe deine Stimme aus dem Turm”. In der Kapelle wird eine frühere, nicht mehr klar klingende Glocke aufbewahrt.

Die Kapelle St. Joder wurde im Jahr 1990 neu errichtet.



Gerislehnkapelle
Nachgewiesen ist die Gerislehnkapelle seit 1673. Der Neubau wurde 1993 eingeweiht. Sie gehört zum Hof Gerislehn; der jeweilige Besitzer ist auch unterhaltspflichtig.
Es handelte sich bei der alten Kapelle um einen schon im Mittelalter häufigen Schutzbau (Feldkapelle?) bei plötzlich auftretenden Unwettern und auch vor zwielichtigen Gestalten. Nur wenige Personen fanden darin Platz. Der Eingang war niedrig, es gab nur ein kleines Loch für den Lichteinfall. Der quadratische Bau war mit einem pyramidenförmigen Dach bedeckt.
In der Biographie von Matthias Riedweg vom Dotzenberg (1808–1885), der Priester, Kantonalschulinspektor und Probst des Stiftes von Beromünster wurde, wird eine typische Episode geschildert: Als Knabe hatte er im Winter hier Zuflucht gesucht, war vor Müdigkeit eingeschlafen, erwachte erst nach wegweisenden Träumen und konnte dann den Weg fort­setzen.
Die einzigartige Form dieser Schutzkapelle ist durch den Abbruch verschwunden, ebenso die darin unter dem Verputz gefundenen Reste von Wandmalereien.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Kapelle restauriert und in der ursprünglichen Form wesentlich verändert worden. Durch die Strassenverlegung in den Sechzigerjahren gab es erneut Probleme. Der jetzige Besitzer der Liegenschaft Gerislehn, Konrad Niederberger-Muri, entschloss sich daher zum Bau einer neuen Kapelle.
Seit altersher war die Kapelle dem Schutzpatron des Viehs, dem Bauernheiligen St. Wendelin gewidmet. Sie ist ein Ort der Volksfrömmigkeit geblieben. Vor allem das Wandbild des heiligen Wendelin, gemalt vom Benediktinerpater Karl Stadler aus Engelberg, prägt den Raum. Bildhauer Robert Rösli aus Wolhusen hat eine eigenwillige Statue des Landesvaters Bruder Klaus geschnitzt.  

Die Kapelle beim Gerislehn ist dem Schutzpatron St. Wendelin gewidmet.  



Das Kreuz ob dem Buchensagistutz

Am Rand zum Allmendwald stösst man auf ein Kreuz mit einem ausdrucksvollen Korpus aus Eichenholz. Es steht unter Obhut der Kirchgemeinde. An dieser Stelle befand sich einst eine Kapelle, die um 1945 abgebrochen wurde. Sie war baufällig und ein Verkehrshindernis. 
Sagen ranken sich um diese Kapelle. So soll es oft nicht möglich gewesen sein, die Strasse dort zu überqueren, oder Pferdegespanne hätten weder mit Güte noch mit Strenge weitergeführt werden können. Der Volkskundler Dr. h. c. Josef Zihlmann berichtet in seinem Buch „Volkserzählungen und Bräuche” (Hitzkirch 1989, S. 301), dass man dort Löffel geopfert habe, um vom Zahnschmerzen befreit zu werden, auch bei Sprachschwierigkeiten von Kindern, oder wenn etwas in der Mund- und Rachengegend nicht stimmte: „Eine Kapelle (sie steht nicht mehr), in die man Löffel brachte, war das „Buechäppeli” beim Hof Buchen zwischen Menznau und Menzberg. Unser Vater hat mir erzählt, es seien einmal Burschen in die Buchenkapelle eingedrungen und hätten die Löffel ausgeräumt. Die Schänder seien alle auswärts gestorben, aber alle hätten wieder zur Buchenkapelle zurückkommen müssen, um zu wandeln.” Nach Zihlmann wurde in der gleichen Kapelle auch die hl. Apollonia als Patronin gegen Zahnschmerzen verehrt. Das Glöcklein aus dieser Kapelle läutet jetzt bei Taufen im Menzberger Kirchturm.

Am Rande des Allmendwaldes steht jetzt ein Holzkreuz, an dessen Standort sich früher eine Kapelle befand.



Sakrallandschaft
Im Luzerner Hinterland und auch auf dem Menzberg gibt es viele Zeichen der Volksfrömmigkeit: Wegkreuze und Bildstöcke (Helgenstöckli). Ihre Entstehungsgeschichte ist nicht immer bekannt. Sie sind Ausdruck des Glaubens, der Gottverbundenheit, des Bittens und Dankens.
Ein spanisches Kreuz steht bei der Kleematt. Die Ahnen wollten wissen, dass hier in der Walpurgisnacht Wodan, Sträggele und Dürst vorbeigezogen sind. Hier können vom Napf her kommende Windböen zwischen den Häusern der Kleematt und der Bärbühlschür vorbeitosen.
Ein Eisenkreuz auf der Schüregg trägt die Inschrift: „Glück und Unglück trag in Ruh, alles ist vergänglich und auch du.” Der Spruch stammt vom Bewirtschafter des Hofes Schür, Xaver Vogel-Felder, der das Kreuz und den Ort pflegte. Hier ist am 20. März 1834 der Erbauer des Kurhauses Menzberg, Ludwig Schnyder-Beck von Sursee, im Alter von 41 Jahren an einem Herzschlag gestorben. Er war Vater von zehn Kindern. Für die Familie wie auch für die junge Pfarrei Menzberg war das ein herber Verlust. Schnyder unterstützte die neu gegründete Pfarrei. Er hatte das von der Regierung zugesprochene Wirte-, Schmiede- und Bäckerrecht übernommen und wirtschaftete zu Gunsten der Pfarrei sehr gut.

Alte Wegkreuze und Helgenstöckli als Zeichen der Volksfrömmigkeit.